Die 12 besten Klassikfestivals

Vom mittelalterlichen Choral bis zu den zeitgenössischen Meistern: Europa ist ein »klingender Kontinent«. Seine Musiktradition verbreitete sich als Klassik in alle Welt und begeistert bis heute Millionen von Musikliebhabern. Jedes Jahr pilgert man zu den zahlreichen Klassikfestivals, die quer durch Europa stattfinden. Hier stellen wir Ihnen unsere Bestenliste vor.
12. Akustik der Antike: Chorégies d'Orange
Die 1869 ins Leben gerufenen Chorégies d’Orange sind Frankreichs ältestes Festival. Sie finden von Juni bis Juli in einem der am besten erhaltenen römischen Theater statt, dem zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Théâtre Antique d’Orange. Seitdem entwickelte es sich zur idealen Bühne für spektakuläre Produktionen. Von Verdi über Puccini, von Wagner bis hin zu Mozart wurden hier, dank renommierter Sänger, Dirigenten und Regisseure, die herausragendsten Komponisten geehrt. Mit einer einzigartigen Akustik in majestätischer Lage bieten die Chorégies Musikenthusiasten heute ein äußerst vielseitiges Programm: klassische Oper, bereichert von Ballett, epischer Filmmusik und modernen Kompositionen. Schließlich bringen die Chorégies immer wieder auch Stars aus der Popszene mit einem klassischen Orchester zusammen.
11. Eine Region im Takt: Rheingau Musik Festival
Von Juni bis September wird der Rheingau zur Bühne für eines der besten Musikfestivals Europas. Klöster, Schlösser und Weingüter werden alljährlich zu Konzertbühnen für die internationalen Stars der Klassikszene. Seit 1987 zieht das Rheingau Musik Festival Musikbegeisterte in die gesamte Region zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Lorch. Heute stehen nahezu 150 Konzerte an über 40 Spielorten auf dem Programm. Den Schwerpunkt bildet zwar immer die sogenannte Ernste Musik, geboten werden aber auch Jazz und sogar Kabarett. Jede Festivalausgabe präsentiert außerdem einen neuen »Artist in Residence«, der hier die ganze Bandbreite seines Könnens auf die Bühne bringt.
10. Grenzenloser Klang: Schleswig-Holstein Musik Festival
Seit 1986 findet eines der größten Flächenfestivals Europas jedes Jahr im Juli und August im nördlichsten deutschen Bundesland statt. Es erstreckt sich sogar auf Hamburg, Teile Dänemarks sowie Niedersachsens. Zu der im Mittelpunkt stehenden Klassik gesellen sich andere Genres wie Jazz und Elektro hinzu. Theater und Lesungen ergänzen das Programm. Das Festivalkonzept legt einen Schwerpunkt auf die großen Musikstädte wie London oder die Lagunenstadt Venedig, ein weiterer konzeptioneller Fokus liegt auf den Künstlerporträts: Dazu wird jedes Jahr eine herausragende Größe der Musikwelt eingeladen, um mit ihrem Instrument Konzerte und Workshops frei zu gestalten. Das Schleswig-Holstein Musik Festival bietet eine besonders familienfreundliche Konzertatmosphäre. Ganz auf den Nachwuchs zugeschnitten ist das Angebot der Kindermusikwerkstatt, bei dem Besucher ab 4 Jahren während der Konzerte von ausgebildeten Musikpädagogen betreut werden.
9. Zweitausend Jahre Applaus: Verona Opera Festival
Im Jahre 1913 gegründet zählt das Opernfestival Verona zu den ältesten der Welt, doch die Spielstätte ziert schon gut 2000 Jahre die Stadt an der Etsch. Die römische Arena, der »italienischste Ort auf Erden«, ist der Mittelpunkt des Festivals und das größte noch genutzte römische Amphitheater. Es ist zugleich auch das größte ›Open-Air-Opernhaus‹ – im Durchschnitt finden jedes Jahr von Juni bis September 50 Abendvorstellungen mit insgesamt über 400.000 Zuschauern statt. Italienische Meister wie Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Antonio Vivaldi dominieren naturgemäß das Programm, daneben finden sich aber auch Werke von Carl Orff, Mikis Theodorakis und Vorstellungen zeitgenössischer Künstler wie die des Ballettstars Roberto Bolle. Auch wenn das Festival jedes Jahr zum Massenspektakel gerät – über die Mauern der Arena hinaus flimmert die ganze Stadt in romantischer Atmosphäre. Und unter einem Balkon in einer der verwinkelten Altstadtgassen ließ Shakespeare einst seinen Romeo Julia anschmachten.
8. Natur und Kultur pur: Savonlinna Opera Festival
Dies ist eines der ungewöhnlichsten Musikfestivals der Welt und es findet auf einer Insel in der südöstlichen Seenlandschaft Finnlands statt. »Italien kommt nach Savonlinna« heißt es beim Savonlinna Opera Festival, dabei fand das erste hier bereits 1912, also ein Jahr vor dem Festival von Verona statt. Keine Arena, aber dafür eine Burg aus dem Jahr 1475 dient hier als Spielstätte. Über den ganzen Monat Juli präsentiert sich die Seestadt Savonlinna jedes Jahr durchaus auf dem künstlerischen Niveau anderer europäischer Festspiele. Für die 60.000 Besucher gibt es jede Menge Klassik-Flair im hohen Norden: Verdis »Macbeth«, Barockmusik aus dem späten 17. Jahrhundert, aber auch Neuinterpretationen finnischer Klassiker wie »Viimeiset Kiusaukset« (»Die letzten Versuchungen«) von Joonas Kokkonen. Top-Solisten, üppige Bühnenbilder und eine einzigartige Seenlandschaft erwarten die Musikliebhaber bei den nördlichsten Opernfestspielen Europas.
7. Bühne frei für die Goldene Stadt: Pražské jaro
Das Festival Pražské jaro, Prager Frühling, ist die renommierteste Veranstaltung für klassische Musik in der Tschechischen Republik, die seit 1946 jedes Jahr im Mai stattfindet. Es stützt sich auf eine reiche Tradition, lebt aber gleichzeitig in der Gegenwart und gilt als tschechischer Trendsetter. Bei drei Dutzend Konzerten mit einem abwechslungsreichen künstlerischen Programm präsentiert es die bedeutendsten Künstler der in- und ausländischen Klassikszene. Das Festival ist mit seinen Aufführungen in ganz Prag präsent – Besucher haben so die Möglichkeit, neben den künstlerischen Leistungen auch die historischen Kulissen der Klöster, Kirchen und Museen der »Goldenen Stadt« bestaunen zu können. Im Mittelpunkt des Festivals bleibt jedoch das monumentale Rudolfinum am Moldauufer und das prächtige Gemeindehaus, die Jugendstilschönheit Obecní dům.
6. Sternennächte in der Provence: Festival d'Aix-en-Provence
Nicht nur eine Prise Salzburg findet man beim 1948 gegründeten Festival d’Aix-en-Provence: Mozart und Strauss stehen hier auf dem Programm, ersterer ist seit jeher einer der wichtigsten Komponisten des jedes Jahr im Juli stattfindenden Festivals. Aber auch mit neuen Opernproduktionen und Konzerten und der Kooperation mit renommierten Komponisten und visionären Orchestern, hat man sich seinen Rang erarbeitet. Die zeitgenössische Musik nimmt ebenfalls einen besonderen Platz ein, da jedes Jahr bedeutende neue Werke in Auftrag gegeben und hier uraufgeführt werden. Im Jahr 2025 wurde der Birgit-Nilsson-Preis – die renommierteste Auszeichnung in der Welt der klassischen Musik – an das Festival d’Aix-en-Provence verliehen, wodurch es zur ersten Kulturinstitution überhaupt wurde, die diese Auszeichnung erhielt. Unter dem strahlenden Himmel der Provence im Innenhof des Théâtre de l’Archevêché und auf den Bühnen des Théâtre du Jeu de Paume und des Grand Théâtre de Provence bietet das Festival Musikereignisse, deren Klänge sich hier mit dem Gesang der Zikaden mischen.
5. Klassik-Gipfel an der Elbe: Dresdner Musikfestspiele
Mit weltweit gefeierten Solisten und Ensembles – vom New York Philharmonic bis zu den Berliner Philharmonikern, von Anne-Sophie Mutter bis Daniil Trifonow – sind die Dresdner Musikfestspiele eines der renommiertesten Musikfestivals in Europa und präsentieren jedes Jahr zwischen Mai und Juni ein hochkarätiges Programm von außergewöhnlicher Dichte und Vielfalt. 1978 wurden die Festspiele per regierungsamtlichen Dekret des SED-Regimes aus der Taufe gehoben, entwickelten sie sich aber noch zu DDR-Zeiten zum kulturellen Ereignis internationalen Ranges. Heute stehen Klassikstars neben Interpreten aus Jazz, Rock, Pop und Weltmusik auf den Programmen der mehr als zwanzig Spielstätten, die von historischen Kulturdenkmälern Dresdens wie Semperoper, Frauenkirche, Residenzschloss oder Kulturpalast, bis hin zu modernen Industriebauten und Open Air reichen.
4. Tradition trifft Innovation: Lucerne Festival
Vor den malerischen Alpen und direkt am Vierwaldstättersee gelegen, findet seit 1938 das Lucerne Festival statt. Von Mitte August bis Mitte September werden hier rund 100 Veranstaltungen geboten: Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Rezitale, Late Nights und vieles mehr. Die zentrale Spielstätte des Festivals ist das Kultur- und Kongresszentrum Luzern, erbaut von Jean Nouvel und für seine Akustik ebenso berühmt wie für seine moderne Architektur. Das Leitbild des Lucerne Festivals folgt dem Anspruch, wegweisende Verbindungen zwischen Tradition und Innovation zu schaffen, bei höchster künstlerischer Qualität. Über das ganze Jahr verteilt werden in den Festivalsparten »Spring«, »Pulse«, »Summer« und »Forward« etablierte Werke neu interpretiert, gleichzeitig werden aber auch unkonventionelle, zeitgenössische Künstler gefördert.
3. Musik und Mystik: Bayreuther Festspiele
Seit 1876 begeistern die Bayreuther Festspiele Musiker wie Musikfans mit dem legendären »Mischklang« des nur für die Werke Richard Wagners konzipierten Hauses. Dabei ist die spezielle Akustik eigentlich ein Nebenprodukt von Wagners ästhetischer Vision der perfekten Illusion und eines demokratischen Theaters. Der tiefgelegte Graben, in Bayreuth auch »Mystischer Abgrund« genannt, sollte unsichtbar sein, sodass zwischen Publikum und Bühne nichts vom Bühnengeschehen ablenkt. Hier lauschten schon Friedrich Nietzsche und Thomas Mann den Kompositionen des Meisters und heute gibt es internationalen Promiauflauf bei den Premieren. Mussten Normalsterbliche früher oft jahrelang auf Tickets warten, ist auch der Verkauf heute weitgehend demokratisiert. Leere Plätze sieht man bei den Aufführungen von »Rheingold« und »Rienzi« aber selten. Und immer noch trotzen eingefleischte Wagnerianer der Hitze von Juli bis August im Festspielhaus im eleganten Smoking. Für Einsteiger gibt es Open-Air-Aufführungen: Das Orchester tritt in der Festspielzeit auch zweimal draußen auf dem »Grünen Hügel« auf – kostenlos für alle, Parkplatz und Picknick inklusive.
2. »Rule, Britannia!«: BBC Proms
Als größtes Klassikmusikfestival der Welt gilt das »Proms«, das jeden Sommer in der Royal Albert Hall in London stattfindet, aber in den letzten Jahren auch eine Reihe innovativer Proms-Veranstaltungen in ganz Großbritannien ins Leben gerufen hat. In acht sommerlichen Wochen, zwischen Juli und September, findet fast jeden Tag ein Konzert statt. Filmmusik und Orchesterhits, Weltstars und ausgelassene Festivalstimmung, ob Mahler oder John Williams, Mozart oder junge Komponisten – die Proms bieten die ganze Bandbreite. Das Ziel: einem möglichst breiten Publikum das Beste der klassischen Musik näherzubringen. Ganz im Sinne der ursprünglichen Vision des Gründers und Dirigenten Henry Wood aus dem Jahr 1895, als Essen, Trinken und – Rauchen! während der Konzerte ausdrücklich erwünscht waren. Heute noch gilt hier: »Come as you are«, einen Dresscode gibt es nicht. So darf denn auch das ganze Publikum in den Chor mit einstimmen: »Britons never, never, never will be slaves«.
1. Im Herzen Europa(s): Salzburger Festspiele
Schon die erste Opernaufführung nördlich der Alpen fand 1614 in Salzburg statt. 1920 wurden die Salzburger Festspiele von Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss gegründet. »Salzburg ist das Herz vom Herzen Europas« schrieb von Hofmannsthal damals und noch heute ist der Geburtsort Mozarts mit der barocken Altstadt eine traumhafte Kulisse für das Festival. Die Salzburger Festspiele gelten zu Recht als das bedeutendste Festival der Welt: Dirigenten und Regisseure, Musiker und Schauspieler – alles was Rang und Namen hat, kommt hier jedes Jahr zusammen. Von Juli bis August stehen Oper, Schauspiel und Konzert auf dem Programm – vom Genius Loci Wolfgang Amadeus bis hin zu avantgardistischen Experimenten. Viele der Aufführungen sind zwar hochpreisig, mit etwas Glück kann man aber, neben günstigen Stehplätzen, auch Tickets zu 5,- Euro ergattern. Wer die Klangkunst gleich ganz gratis genießen möchte, kann sich die Festspiele als Public-Viewing-Event auf dem zentral gelegenen Salzburger Kapitelplatz ansehen.
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